Die Auseinandersetzung um das Eigenheim bei Trennung und Scheidung ist oft emotional für die Eheleute anstrengend, da der Auszug des einen Ehegatten der gemeinsamen Lebensplanung von heute auf morgen die Grundlage entzieht. Während der Trennungszeit wird oft unnachgiebig über die Höhe des Wohnwertes für den Teil des Hauses gestritten, den der verbleibende Ehepartner bewohnt. Die weitaus größeren Schwierigkeiten bietet jedoch die Verhandlung über die weitere Verwendung des Eigenheims. Hier können sich die Ehepartner oft nicht zu einer „vernünftigen“ Lösung durchringen. Sie versperren die Sicht auf die wirtschaftlichen Realitäten, häufig auch mit dem Gedanken, das Haus für die Kinder zu erhalten.

Frühzeitig müssen die Mandanten, die Eigentumshälfte des anderen Ehepartners übernehmen wollen klären, ob sie die damit verbundenen finanziellen Belastungen auf lange Sicht tragen können. Mit einer Trennung geht auch im auf die Trennung folgenden Jahr der Wechsel der Steuerklassen einher, sodass sich das Nettoeinkommen merklich reduziert. Darüber hinaus muss eventuell noch an den weichenden Ehepartner ein Zugewinnausgleich gezahlt werden. Schmerzlich vermindert sich oft auch das Rentenanrecht durch den Versorgungsausgleich. Hier sieht man sich der Notwendigkeit ausgesetzt, die eigene Altersvorsorge wieder aufzustocken. Dies ist insbesondere auch der Fall, wenn man zur Finanzierung der Übernahme des Eigentumsanteils des anderen Ehepartners auf einen Versorgungsausgleich der Anrechte dieses Partners verzichtet. Belastend wird die Situation auch, wenn man noch minderjährigen oder volljährigen Kindern Unterhalt leisten muss. Gerade der besser verdienende Ehepartner, der die Immobilie übernimmt, sieht sich eventuell noch längerfristigen Ansprüchen auf nachehelichen Ehegattenunterhalt ausgesetzt. Ich empfehle meinen Mandanten stets, hier eine „Einnahmen-Überschuss-Rechung“ zu erstellen.

Auch wenn diese Gegenüberstellung dazu führt, dass man sich schmerzlich von der Immobilie trennen muss, führen Verzögerungen nur zu einer weiteren Anhäufung von unnötigen Verbindlichkeiten und eventuell Streitigkeiten über die Verrechnung eines Wohnwertes.

Aber auch wenn man sich zum Verkauf des ehemaligen gemeinsamen Hausgrundstücks entschieden hat, weichen die Vorstellungen vieler Ehepaare über den zu erzielenden Kaufpreis. Der Ehepartner, der eine Abfindung für die Eigentumshälfte zu zahlen hat, wird natürlich den Verkehrswert herunterrechnen. Der weichende Ehegatte wirft hier seine jahrelange Eigenleistung als Hobbyhandwerker in den Ring und versucht dadurch, den Verkehrswert höher zu bewerten. An diesen Streitigkeiten verdienen lediglich die Banken, da weiterhin die Kreditzinsen gezahlt werden müssen. Die Ehepartner sollten sich hier auf einen unabhängigen Gutachter einigen, der relativ zeitnah eine Kaufpreisempfehlung aussprechen kann. Auf alle Fälle sollte das letzte mögliche Mittel, die Teilungsversteigerung vermieden werden.